ESTW Düsseldorf

Auf dem neuesten Stand der Technik

Alle 15 Minuten ein Zug: Das ist das Ziel des Verkehrskonzepts RRX. Um diesen Takt auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund gewährleisten zu können, bedarf es umfangreicher Anpassungen an der Schieneninfrastruktur. So muss die Strecke auf dem Stadtgebiet der Landeshauptstadt Düsseldorf durchgängig auf sechs Gleise erweitert werden. Die vorhandene Signaltechnik ist zwischen 40 und 80 Jahre alt und wurde schon mehrfach umgebaut. Sie entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Der für den RRX benötigte Streckenausbau in diesem Bereich ist mit der vorhandenen mit Umbauverboten belegten Stellwerkstechnik nicht mehr möglich.

In Düsseldorf wird deshalb noch vor dem Infrastrukturausbau ein neues Elektronisches Stellwerk (ESTW) realisiert. Das ESTW wird im Endzustand neun bestehende Stellwerke zwischen Leverkusen und Düsseldorf-Unterrath ersetzen. Der Stellbereich des ESTW erstreckt sich auf eine Länge von 43 Kilometern südlich des Düsseldorfer Hauptbahnhofs bis Leverkusen (Stadtgrenze Köln) und nördlich bis Düsseldorf-Angermund. Die Vorteile des neuen ESTW: Mit der neuen Technik wird die Verfügbarkeit und damit die Leistungsfähigkeit der Signaltechnik entscheidend verbessert. So kommt es zu weniger Störungen im Bahnbetrieb.

Das neue ESTW Düsseldorf ist so konzipiert, dass es später zum digitalen Stellwerk ausgebaut werden kann und im Zuge des Ausbaus auf sechs Gleise auch ETCS integriert wird.

RRX-Konzept der Leit- und Sicherungstechnik
Was ist ein ESTW?

In einem Stellwerk hat ein Fahrdienstleiter alle Strecken und Bahnhöfe in seinem Stellbereich im Blick. Von hier aus wird das Schienennetz gesteuert. Ein Fahrdienstleiter lenkt die Züge in seinem Abschnitt auf die richtigen Gleise, stellt die Weichen und schaltet Signale. Detektoren im Gleis melden, wenn ein Abschnitt frei ist. Fährt ein Zug in einen festgelegten Abschnitt zwischen zwei Signalen ein (sogenannter Block), melden Achszähler die Einfahrt an das ESTW. Dieses gibt den Block erst wieder frei, sobald die Achszähler am Ende des Blocks die Ausfahrt registriert haben. Über Signale wird dem Zugführer gemeldet, ob er in einen Block einfahren darf.

Was ist ein D ESTW und wie unterscheidet es sich zur bisherigen Stellwerkstechnik?

Das Digitale Stellwerk (D STW) steht für die neueste Generation von Stellwerken und ist technologisch Nachfolger des Elektronischen Stellwerkes (ESTW). Beide unterscheiden sich vor allem in der Bedienung von Weichen, Signalen und Fahrstraßen. Bei beiden Stellwerkstypen prüfen und verarbeiten redundante Rechnersysteme die Stellbefehle der Fahrdienstleiter. Die Befehle der Rechner eines ESTW werden in konventioneller elektrischer Schalttechnik durch Kabelbündel an Weichen, Signale und Bahnübergänge übermittelt.

Ein D STW übermittelt dagegen die Stellbefehle digital an Weichen und Signale. Der Vorteil ist eine deutlich höhere Stellentfernung durch die Verbindung per Datenleitung. Beim D STW entfällt daher die bisher individuelle Verbindung vom Stellwerk zu jedem einzelnen Stellelement – Weichen, Signale, Gleiskontakte, Bahnübergänge. Das ermöglicht die Standardisierung von Komponenten, eine einfachere Instandhaltung, stabilere Datenleitungen und größere Bedienbereiche.

Was ist ETCS?

ETCS steht für „European Train Control System“ (Europäisches System für Zugsteuerung und Zugsicherung). Die wichtigste Aufgabe von ETCS ist – wie aller vorherigen Systeme auch – dafür zu sorgen, dass sich in einem definierten Gleisabschnitt immer nur ein Zug befindet und ein nachfolgender Zug stets rechtzeitig abgebremst werden kann. Dazu übermittelt die ETCS-Streckenzentrale Streckendaten, die zulässige Höchstgeschwindigkeit sowie den nächsten Punkt, an dem das Fahrzeug wieder stehen muss. In den Zügen vergleicht der Bordcomputer die gefahrene Geschwindigkeit mit der von Balisen übermittelten zulässigen Höchstgeschwindigkeit und Zielentfernung und bremst den Zug bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung automatisch ab. Die Balisen dienen dabei der Informationsübertragung von der Strecke auf das Fahrzeug.

Im ETCS Level 2 sorgt zusätzlich eine kontinuierliche Funkverbindung für lückenlosen Abgleich der Rechner im Zug und an der Infrastruktur. Der Lokführer erhält alle notwendigen Informationen über ein Display.